Shake Stew

Shake Stew

Quelle: Wikipedia

Shake Stew – die österreichische Jazz-Formation zwischen Trance, Energie und kollektiver Ekstase

Eine Band, die den modernen Jazz neu auflädt

Shake Stew gehört zu den prägendsten österreichischen Jazz-Formationen der Gegenwart. Seit der Gründung im Jahr 2016 hat sich das Ensemble um Bandleader Lukas Kranzelbinder mit einer unverwechselbaren Mischung aus Groove, Improvisation und eruptiver Bühnenenergie eine internationale Reputation erspielt. Die Band steht für einen Jazzbegriff, der sich nicht mit Stilgrenzen aufhält, sondern Klang, Rhythmus und kollektive Dynamik zu einem intensiven Live-Erlebnis verdichtet.

Schon früh fiel Shake Stew nicht nur als Studio-Projekt, sondern vor allem als Live-Band auf, deren Konzerte von Wucht, Präzision und spiritueller Spannung leben. Die Besetzung mit zwei Schlagzeugern, zwei Bässen und mehreren Bläsern eröffnet einen Sound, der zugleich archaisch, modern und hochgradig detailreich wirkt. Genau darin liegt die Faszination dieser Formation: Shake Stew denkt Jazz nicht als museale Tradition, sondern als lebendige, körperlich erfahrbare Gegenwart.

Die Anfänge: Gründung, Konzept und erste Resonanz

Shake Stew entstand 2016 und etablierte sich bereits mit den ersten Auftritten als außergewöhnliches Solisten-Septett. Im Zentrum steht der Kontrabassist, E-Bassist und Komponist Lukas Kranzelbinder, der die Band als kreativer Motor, Arrangeur und klanglicher Architekt prägt. Die frühe Rezeption betonte vor allem die ungewöhnliche Instrumentierung und den kompromisslosen Zugriff auf rhythmische Verdichtung und melodische Expansion.

Der entscheidende frühe Impuls kam mit dem Debütalbum The Golden Fang aus dem Jahr 2017. Schon dieses Werk machte deutlich, dass Shake Stew weder ein konventionelles Modern-Jazz-Ensemble noch eine reine Fusion-Band ist. Vielmehr verschmilzt die Gruppe Elemente aus Afrobeats, tranceartiger Wiederholung, energetischer Improvisation und präzise gesetzter Komposition zu einer eigenen musikalischen Sprache.

Lukas Kranzelbinder als Bandleader und Klangarchitekt

Lukas Kranzelbinder führt Shake Stew mit der Handschrift eines Musikers, der Komposition, Arrangement und kollektive Improvisation zusammen denkt. Seine Stücke bauen auf pulsierenden Ostinati, sich auftürmenden Spannungsbögen und einer klaren Dramaturgie, die jeder Performance Struktur verleiht. Dabei bleibt der Sound offen genug, um spontanen Momenten und individuellen Soli Raum zu geben.

Die Rolle des Bandleaders zeigt sich nicht im autoritären Durchregieren, sondern in der Fähigkeit, ein Ensemble mit starker Identität zu formen. Gerade diese Balance aus Kontrolle und Freiheit macht die Musik von Shake Stew so überzeugend. Kranzelbinder versteht es, ein kollektives Klangbild zu entwerfen, in dem die einzelnen Stimmen nicht verschwinden, sondern sich zu einem größeren, energetischen Ganzen bündeln.

Der Durchbruch: Von Saalfelden in die internationale Jazzszene

Der erste große Karriereschub kam mit dem Auftritt beim International Jazz Festival Saalfelden und dem Debütalbum The Golden Fang. Von dort aus entwickelte sich Shake Stew in bemerkenswerter Geschwindigkeit zu einer international gefragten Live-Formation. In den folgenden Jahren führten die Wege der Band zu renommierten Festivals und Konzertorten in Europa und darüber hinaus, darunter Rotterdam, Marokko, Mexiko City, Montreal und Istanbul.

Die Band wurde bald als österreichisches Aushängeschild im Jazz wahrgenommen. Auftritte bei jazzahead! in Bremen und weitere Festivalpräsenz festigten den Ruf als Formation mit außergewöhnlicher Bühnenpräsenz. Gerade die Verbindung aus technischer Souveränität und tranceartiger Intensität verschaffte Shake Stew eine Position zwischen Clubkultur, Festivalbühne und improvisierter Avantgarde.

Diskographie: Vom Debüt bis zum Jubiläumsalbum

Die Diskographie von Shake Stew zeichnet eine stetige künstlerische Entwicklung nach. Nach The Golden Fang folgte 2018 Rise and Rise Again, 2019 Gris Gris, 2020 das Live-Album (A)live!, 2022 HEAT, 2023 LILA und 2025 die Live-Veröffentlichung Live in Chur. Für 2026 ist das Jubiläumsalbum TEN ONE TWO angekündigt beziehungsweise veröffentlicht worden, ergänzt durch einen weiteren Teil der TEN-Reihe im selben Jahr.

Diese Veröffentlichungen zeigen eine Band, die ihr Repertoire nicht bloß erweitert, sondern ihre Klangsprache systematisch vertieft. Besonders auffällig ist die Verbindung aus studiohafter Verdichtung und der dokumentierten Kraft von Live-Mitschnitten. Shake Stew arbeitet konsequent an einer musikalischen Identität, in der jedes Album wie ein neues Kapitel wirkt, ohne den Kern der Band zu verlieren.

HEAT, LILA und LIVE IN CHUR: die jüngere Phase

Mit HEAT erreichte Shake Stew 2022 einen weiteren Höhepunkt. Das Album gilt als besonders vielfältige Darstellung des bisherigen Bandspektrums und markiert zugleich eine neue Phase innerhalb der Besetzung. Der Wechsel in der Hornsektion, bei dem Astrid Wiesinger 2021 Clemens Salesny ersetzte, brachte neue Energie in das Klangbild und schärfte die feine Balance zwischen rauer Bewegung und melodischer Transparenz.

LILA aus dem Jahr 2023 und Live in Chur von 2025 führen diesen Weg fort. Während LILA die Weiterentwicklung des Studioklangs unterstreicht, dokumentiert Live in Chur die besondere Stärke der Band auf der Bühne. Die Veröffentlichung basiert auf einer Aufnahme vom JazzChurFestival 2024 und betont die Virtuosität, Offenheit und Konzentration, mit der Shake Stew auch in langen Formaten Spannung hält.

TEN ONE TWO: das Jubiläum als künstlerisches Statement

Zum zehnjährigen Jubiläum präsentiert Shake Stew mit TEN ONE TWO kein bloßes Best-of, sondern ein bewusst neues Doppelalbum. Das Werk blickt nach vorn und fasst die stilistische Entwicklung der Band in einer ambitionierten Form zusammen. Die Musik verbindet die charakteristischen doppelten Basslinien, tranceartige Brass-Texturen, treibende Grooves und ausgedehnte Solopassagen zu einem epischen Gesamtbild.

Das Album zeigt Shake Stew als Ensemble, das seine kollektive Sprache über Jahre hinweg verfeinert hat. Improvisation, modulare Klangschichten und präzise komponierte Passagen greifen ineinander, sodass ein hybrider Charakter entsteht: halb Ritual, halb Expedition, halb hochenergetische Jazz-Komposition. Genau darin liegt die Qualität dieser Band, die sich nicht auf einen Modetrend reduzieren lässt, sondern ein eigenes musikalisches Universum aufgebaut hat.

Stil, Klangbild und musikalische Entwicklung

Shake Stew bewegt sich stilistisch im Feld zwischen Jazz, Improvisationsmusik und einem modernen, rhythmisch aufgeladenen Klangkonzept, das häufig mit Krautjazz assoziiert wurde. Charakteristisch sind die doppelte Rhythmussektion, die wuchtigen Bassfundamente, die vibrierenden Bläserlinien und eine Dramaturgie, die sich über lange Bögen entfaltet. Der Sound wirkt oft hypnotisch, aber nie statisch; er bleibt in permanenter Bewegung.

Die Musik lebt von Kontrasten. Einerseits gibt es das archaische Pulsieren, andererseits feine melodische Linien und eine klare kompositorische Kontrolle. Diese Spannung macht die Arrangements von Shake Stew so reizvoll: Sie erlauben Eskalation, öffnen Räume für Soli und lassen zugleich eine starke kollektive Identität hörbar werden. Der Einfluss von Afrobeats, trancehaften Mustern und spirituellem Jazz ist spürbar, ohne die Band auf bloße Zitate festzulegen.

Kritische Rezeption und internationale Anerkennung

Die Presse reagierte früh mit großer Aufmerksamkeit auf Shake Stew. Bereits zu den ersten Veröffentlichungen wurden die ungewöhnliche Instrumentierung und die Energie der Band hervorgehoben. Besonders das Debüt The Golden Fang erhielt Anerkennung für seine originelle Klangsprache, während spätere Werke wie Rise and Rise Again und Gris Gris die künstlerische Reife der Gruppe weiter schärften.

Auch in der Fachpresse und bei renommierten Medien wurde vor allem die Live-Wirkung der Band betont. Beschrieben wurde ein Sound voller Dringlichkeit, rhythmischer Dichte und virtuoser Bläserarbeit. Die positive Resonanz zeigt sich nicht nur in Besprechungen, sondern auch in den zahlreichen Festivalbuchungen und der Präsenz auf internationalen Bühnen, die Shake Stew zu einem Fixpunkt der europäischen Jazzszene gemacht haben.

Auszeichnungen, Preise und kultureller Einfluss

Shake Stew wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet, darunter der German Jazz Award 2021 in der Kategorie „Band of the Year International“ sowie der Amadeus Austrian Music Award 2023. Diese Ehrungen bestätigen den hohen Stellenwert der Formation weit über die österreichische Jazzlandschaft hinaus. Sie unterstreichen, dass die Band nicht nur bei Fachleuten, sondern auch in einem breiteren Musikpublikum Beachtung findet.

Der kulturelle Einfluss von Shake Stew liegt in der Entgrenzung des Jazzbegriffs. Die Band bringt improvisierte Musik in eine Form, die zugleich körperlich, emotional und intellektuell anspricht. Damit steht sie exemplarisch für eine neue Generation europäischer Jazzkultur: offen für globale Einflüsse, aber fest verankert in der Tradition des Live-Spiels, der kollektiven Interaktion und der kompositorischen Substanz.

Fazit: Shake Stew ist spannend, weil die Band aus musikalischer Präzision und eruptiver Freiheit einen unverwechselbaren Stil formt. Die Formation verbindet künstlerische Entwicklung, energetische Bühnenpräsenz und internationale Strahlkraft zu einem Jazz, der nicht erklärt werden muss, sondern im Konzertsaal unmittelbar wirkt. Wer intensive, körperliche und zugleich hochmusikalische Live-Erlebnisse sucht, sollte Shake Stew unbedingt auf der Bühne erleben.

Offizielle Kanäle von Shake Stew:

Quellen: